Alleinerziehende Mutter

biancaMeistens werde ich als Alleinerziehende mit meinem Sohn nicht als vollwertige Familie wahrgenommen. Ich erlebe vielmehr eine Verunsicherung bei vielen Menschen, weil sie nicht wissen, wie sie uns bezeichnen sollen. Zu meinem Sohn und mir sagen die Leute zwar: „lhr beiden seid ein starkes Team“. So empfinde ich uns auch. Aber viele registrieren uns nicht als Familie, auch wenn wir rein statistisch gesehen eine sind. Faktisch werden wir jedoch nicht als Familie wahrgenommen. Wenn ich zum Beispiel mit Freunden in Urlaub fahre, die eine Komplettfamilie sind, dann gelte ich immer als Freundin mit dem dazugehörigen Sohn. Es heißt dann nicht: Wir als Familie und ihr als Familie. Auch im Freundkreis ist das so. Der Umkehrschluss ist dann natürlich allein schon von der Bequemlichkeit her, dass wir beide nicht komplett sind, das nimmt man selbst auch so wahr. Trotzdem kann ich von meiner Lebensgeschichte her heute sagen: Ich bin mittlerweile glücklich in dieser Lebensform und ich will auch so leben, obwohl ich merke, wie sehr ich durch das traditionelle Familienbild geprägt bin. Wenn ich 25 Jahre zurückdenke, dann sehe ich mich in einer Zeit, in der ich mir alles Mögliche über mein Leben hätte vorstellen können, aber ganz bestimmt nicht, alleinerziehende Mutter zu sein. Das war noch nicht mal ein Schreckgespenst, so weit weg war die Vorstellung. Für mich war mit neunzehn oder zwanzig vollkommen klar, dass ich auf jeden Fall heiraten und mehrere Kinder haben würde und dass ich ein Leben als Mutter und Hausfrau führen wollte. Das war so klar wie das Amen in der Kirche. Deshalb habe ich zum Beispiel einen Ausbildungsberuf als Krankenschwester gewählt, weil ich mir dachte: Was macht es für einen Sinn zu studieren, wenn ich sowieso Mutter und Hausfrau werde? So war das damals.

Dass dann doch alles ganz anders kam, hängt vor allem mit meiner Wahl der Ehegatten zusammen – im Plural deshalb, weil ich zweimal verheiratet war. Aus meiner Prägung heraus war es so, dass ich dachte: Es reicht, wenn der Mann, den ich heirate, ein anständiger Christ ist. Und so ein Exemplar habe ich gefunden.

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